Home & Gästebuch
Ahnengalerie
Fichthof
Bilder Fichthof
Fürstenau

Dorfplan - Einwohner
Erinnerungen
Oma´s Rezepte
Sonstiges
Erinnerungen

.....an die Kindheit in Fichthof geschrieben von Eva Schwark geb.Panitzke


                                                           

Ich wurde am 23.05.1935 in Fichthof als Tochter von Ernst Albert Panitzke und Martha

Auguste Mionske geboren.Später bekam ich noch zwei Geschwister, Bruder Siegfried und

Schwester Anni.

1938 wurde unser Haus erbaut, in dem ich mit meinen Eltern, Geschwistern, Oma Auguste

und Tante Berta eine glückliche Kindheit erlebte.

Mein Vater hatte auf unserem Grundstück, für jedes Kind, nach der Geburt einen Kirschbaum

gepflanzt. Den durften wir, wenn die Kirschen reif waren, ganz alleine plündern. Da waren

oft kräftige Bauchschmerzen vor programiert.

Ein Stall gehörte auch zu unserem Grundstück. Darin waren eine Kuh, ein Schwein, Hühner,

Gänse und Enten. Wie hatten auch einen Hund, der hieß Bello. Der sollte uns bewachen.

Aber kamen fremde Leute zu uns, verkroch er sich in seiner Hütte. Hinter unserem Haus

war ein großer Gemüsegerten. Vor dem Haus ein Blumengarten und viele Obstbäume. Es gab

einen Teich und ein kleines Tannenwäldchen auf einem Hügel, mit einer Bank zum ausruhen.

Hinter dem Gemüsegarten, schlossen sich Kartoffelfelder und Getreidefelder an.

Bis zu meiner Einschulung konnte ich nach Herzenslust mit Geschwistern, Cousinen, Cousin´s

und anderen Kindern herumtollen. Es gab viele Möglichkeiten, z.B. im Wald rumstrolchen,

auf der Pferdekoppel versuchen auf Pony´s zu reiten, Gänse hüten u.s.w.

Ich bin sehr oft zu meinen Tanten und Onkel gegangen.

Zu Tante Anna Panitzke geboren am 28Feb.1897 in Labenz, denn  sie hatte so wunderschöne

Ziergegenstände und viele Puppen. Mann nannte sie auch Frau Gräfin, weil sie immer so

fein angezogen war und deshalb so Hoheitsvoll wirkte. Aber nur artige Kinder durften kommen.  

                                                                            

                                                       

Bei meiner Tante Frieda Panitzke, geboren am 27.Aug.1904 in Schönehr, die Näherin war,

hat mich das Handarbeiten mit Nadel und Faden sehr interessiert.

                                                     

Bei meinem Onkel Otto Panitzke, geboren am 26.Jan 1899 in Labenz, der uns viele Geschichten

von Räubern und Wilddieben erzählte war ich auch sehr gerne  gewesen

                                                      

Mein Vater ist oft mit mir in den Wald gegangen nach Pilzen suchen. Mit Tante Berta ging

ich oft zum Heidelbeeren pflücken

Oma Auguste Mionske geborene Paschke wurde am 04.01.1878 in Uhlingen geboren.

Sie hatte den Gemüsegarten unter sich , Oft auch auf dem Feld gearbeitet oder am alten

Spinnrad Schadwolle gesponnen


                                                    

Meine Tante Berta Mionske geboren am 03.12.1880 in Churrow hat das Vieh versorgt,

auf dem Feld gearbeitet und uns Holz herbeigeschafft.

                                                   

Meine Mutter hat in Leba in der Fleischerei gearbeitet

Mein Vater war Steinschläger, er hat die Steine für den Strassenbau geklopft. Er stach

im Moor Torf und Tante Berta brachte das Holz damit wir heizen konnten.

Irgendwann musste ich das Fahrradfahren lernen. Das war gar nicht so einfach, wir hatten

nur ein großes Herrenfahrrad. Aber was soll´s, es musste sein. Unter der Stange durch und

dann getreten was das Zeug her gab. Die Berechnung der Kurve was wohl falsch uns so landete

ich im Teich. Von da an konnte ich Fahrrad fahren. Es war eine unbeschwerte schöne Zeit.

In Erinnerung ist mir auch geblieben: Zu großen  Festtagen wurde geschlachtet, Hühner

Gänse und Schweine. Die Federn wurden genutzt, für Kopfkissen und Oberbetten. Wenn ein

Schwein geschlachtet wurde, habe ich mich

immer unter der Bettdecke versteckt, ich mochte das gequiecke nicht hören. Dann wurde

auch gebacken. Zu unserem Steinbackofen etwas entfernt vom Haus wurde das Brot ( das zu

Hause in einem großen Backtrog geknetet wurde ) und auch einige Kuchen und Hefestuten

gebacken. Das war immer ein besonderes Ereignis.

Mit meiner Einschulung begann ein neuer Lebensabschnitt. Ich musste nach Labenz in die

Schule. Im Sommer war es herrlich warm, wir konnten barfuß laufen. Im Winter war es sehr

kalt und nicht so schön. Denn wir mussten zu Fuß nach Labenz durch den tiefen Schnee.

Der Weg war ca. 3km lang. Ich hatte im Winter oft Frostbeulen an Händen und Füßen. Trotzdem

mit dem Schlitten zu fahren machte riesigen Spaß.

Auch wir Kinder bekamen jetzt mit, das es Krieg war. Unser Vater wurde eingezogen und auch

viele andere aus unserem Dorf. Es war schon traurig. Wir freuten uns immer wenn er

Heimaturlaub bekam.

Abends durften wir um 22.00 Uhr den Soldatensender hören, denn wir hatten einen

Volksempfänger. Das Programm endete mit dem Lied von Lale Andersen "Vor der Kaserne" / Lili

Marlen.

Überall waren Typhus und Diphterie ( auch in der Schule ). Eines Tages hatte auch ich diese

Krankheiten bekommen. In unserem Dorf gab es keinen Arzt und wir mussten mit Pferd und

Wagen nach Leba. Unser Gutsbesitzer Bock fuhr uns mit seinem Leiterwagengespann zu einem

Arzt.

Die richtigen Medikamente gab es nicht für diese Krankheiten. Der Arzt meinte er könne

nicht helfen. Wir fuhren heim und alle weinten um mich, denn es war sehr schlecht um mich

bestellt. Als wir die Strasse durch Fichthof fuhren, mussten wir am Haus von Frau Bisky

vorbei.

Frau Bisky kam auf uns zu, hatte wie immer ihr Riesenkopftuch um ( wir Kinder nannten

sie " alte Hexe" ) und schaute in den Wagen. Meine Mutter erzählte was mit mir los war.

Sie sagte : fahrt nach Hause. Ihr müsst Schafgarbe sammeln und in einer Wanne überbrühen,

legt das Kind hinein, so heiß wie sie es vertragen kann .Dann legt sie ins Bett, holt alle

Federbetten zusammen und  deckt sie damit zu, damit sie ordentlich schwitzt. Wenn sie um

Mitternacht die Augen öffnet wird sie gesund. Das Wunder geschah. Ich machte um Mitternacht

die Augen auf und wurde gesund.

Ein schwarzer Tag der sich zum Guten wendete. Diese Geschichte wurde mir von meiner Mutter,

meiner Oma und Tante Berta oft erzählt.

Der nächste schwarze Tag für mich war, als wir die Nachricht bekamen, dass mein Vater in

Russland schwer verwundet wurde. Er wurde von Granatsplittern getroffen. Bis er gefunden

wurde hatte er Erfrierungen an Händen und Füßen. Im wurden die Füße und die Finger

amputiert. Nur die beiden Daumen waren geblieben. Nach vielen Lazarettaufenthalten kam er

zurück nach Hause.

Es gab eine Bahnverbindung von Lauenburg nach Leba, die ging direkt an unserem Haus vorbei. In Friedenszeiten

kamen Züge mit Urlaubern die ins Ostseebad Leba gebracht wurden.

Ich und meine Geschwister sind oft mit Mutter und Oma zu meinen Tanten. Tante Else und

Cousin´s Gerhard und Günter, Tante Ida, Cousine Frida und Cousin Herbert nach Lauenburg

gefahren oder nach Leba an den Strand.

In Kriegszeiten waren die Züge voll mit verwundeten Soldaten, die in die Heimat gebracht

wurden. Die älteren Mädchen waren bei der B.D.M, die älteren Jungen bei der H.J. Wir

jüngeren Mädchen und Jungen ( Jungvolk )  mussten, wenn Züge mit Verwundeten ankamen,

Getränke, Schokolade und Blumen überreichen und unsere tapferen Soldaten Willkommen heißen.

In einem dieser Züge war auch mein Vater. Als der Zug in Fichthof hielt, brachten Sanitäter

meinen Vater im Rollstuhl aus dem Abteil. Ich war sehr erschrocken und habe fürchterlich

geweint, als ich die ganzen Verbände sah. Ich hatte ja nicht weit nach Hause und so schob

ich den Rollstuhl mit meinem Vater heim. Die Wiedersehensfreude war groß bei der Ganzen

Familie. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, meinen Vater überall im Rollstuhl hinzufahren.

Wenn wir nach Leba fuhren, am Hafen Fisch holen ob frisch oder geräuchert, bekamen wir ihn

gratis, denn die schwer Kriegsbeschädigten hatten Anspruch darauf, sagte man. So war es

auch beim Bäcker oder Fleischer. Alles ohne Bezahlung.

Der Krieg wurde immer heftiger, die Russen Front rückte immer näher. Es gab vereinzelt

Bombenangriffe. Jetzt kamen auch die ersten Flüchtlinge aus Ostpreußen oder Schlesien.

Wir nahmen auch zwei Flüchtlinge auf. Eine Frau Polzin und einen Herrn Kaschuba. Die

Nahrungsmittel wurden immer knapper, aber wir hatten immer noch genug zu essen. Wir hatten

ja ein bisschen Landwirtschaft.

Von Woche zu Woche wurde es immer brennzlicher, die russische Front rückte immer näher, man

hörte Horrorgeschichten von Erschießungen und Vergewaltigungen. Da hat mein Vater für uns

ein Versteck gebaut in unserem kleinen Tannenwäldchen.

Dorthin brachten wir Betten, was zum Anziehen, was zu essen und zu trinken. Es passten 9

Personen rein. Wenn alle im Versteck waren, wurde eine Tanne in den Eingang gezogen und

keiner konnte etwas erkennen, von außen.  Unabhängig davon hat mein Vater ein

Vorratsversteck gebaut, für Kartoffeln, Lebensmittel, Eingemachtes u.s.w.

Wir mussten schon einige Wochen in unserem Versteck verbringen, bis die Russen bis zur

Ostsee vorgedrungen waren. Vater hat nachts oft geschaut ob alles ok war. Später als von

den Russen in jedem Dorf ein Posten eingesetzt wurde konnten wir in unser Haus zurück
.
Es war eine unruhige und angstvolle Zeit. Die Russen plünderten, nahmen alles mit, Uhren,

Bilder, Geschirr, Esswaren einfach alles. Wieder andere Russen brachten etwas, Oma musste

für sie kochen, was sie anderen weggenommen hatten. Nach einiger Zeit zogen sich die

Russen zurück, holten dafür die Polen. Die bezogen die schönen Häuser. Wir wurden auch

aus unserem Haus vertrieben und bekamen einen Raum über der Gaststätte Boyke. Unten wohnte

ein polnisches Ehepaar, die waren sehr nett. Vater schenkte den Polen viel von seinen

Handwerksgeräten, somit hatten wir ein gutes Verhältnis zu der Familie. Wir hatten wenig

zu essen, deshalb ging Vater mit dem Polen das Essen aus unserem Depot holen. Es durfte

ja keiner wissen, sonst hätte man uns alles weggenommen.

Auch gegenüber bei Märtens wohnte ein polnisches Ehepaar. Die waren schon etwas älter,

ich habe für sie kleine Dienste gemacht und bekam dafür Eier und andere Lebensmittel. So

hielten wir uns einigermaßen über Wasser.

Eines Nachts holten sie meinen Vater mit vorgehaltenem Gewehr und brachten ihn rüber ins

Haus von Märtens. Sie warfen ihm vor, er wäre SS Mann und hatte viele russische Leute

erschossen. Der Pole aus dem Haus Boyke und der Pole von Mertens konnten die Russen davon

abhalten meinen Vater zu erschießen. Er wurde nur geschlagen.

Jetzt war es soweit, eines morgens bekamen wir Pferd und Wagen vor die Tür gestellt. Wir

wurden aufgefordert Fichthof sofort zu verlassen. Wir hatten kaum Zeit etwas einzupacken

und mussten uns auf das Fuhrwerk setzen. Mutter, Oma, Tante Berta und wir Kinder. Oma und

Tante Berta sollten da bleiben. Aber Vater hat sich durchgesetzt uns sie konnten mit.

Wir fuhren über die Strasse die von Leba kommt nach Charbrow weiter nach Vizig. Endstation.

Dort waren riesige Hallen, in denen wurden wir einquartiert. Ich weiß nicht, war es eine

Kaserne oder ein großer Gutshof. Auf jeden Fall waren dort viele Russen, einfache Soldaten

und hohe Offiziere. Ich erinnere mich meine Tante Frieda sie musste für die Offiziere

Mützen für Ihre Uniformen nähen. Auf dem Hof war für alle Flüchtlinge ein Männerclo und

ein Frauenclo……richtige Plumsclos. Wir mussten immer anstehen wenn wir unsere Notdurft

verrichten wollten. Wie lange wir dort waren weiß ich nicht mehr, es können Wochen, es

können Monate gewesen sein. Zum Essen gab es kaum etwas

Eines Tages mussten wir zum Bahnhof maschieren, dort stand ein langer Güterzug. In einen

Waggon mussten wir einsteigen, mit vielen anderen. Die Fahrt ging Richtung Westen mit

Unterbrechungen.

Auch hier, kaum etwas essbares. Wie lange wir unterwegs waren weiß ich auch nicht. In

einem Auffanglager, in dem noch viele andere Flüchtlinge waren, warteten wir, was mit uns

weiter passiert. Die Flüchtlinge wurden aufgeteilt und in alle Himmelsrichtungen verteilt.

Wir kamen nach Schloß Heltorf, zu Graf Spee.

Später kamen wir in eine, eigens für uns und zwei andere Familien erbaute Baracke auf dem

Grundstück der Gastwirtschaft Eickelmann in Angermund bei Düsseldorf. Dort wohnten wir so

lange, bis wir 1953 unser Haus in der Strasse "zur Lindung" erbauten.

In diesem Haus lebe ich heute noch mit meinem Mann.


Meine Heimat Fichthof wird immer in meiner Erinnerung bleiben.                                                                                     

                                                Eva Schwark geb. Panitzke

Home & GästebuchAhnengalerieFichthofBilder FichthofFürstenau